Flansche nach EN 1092-1: Typen, Dichtleisten und Druckstufen
Wer im Rohrleitungs- und Anlagenbau plant oder montiert, kommt an EN 1092-1 nicht vorbei. Die Norm legt Maße, Bauformen und die Druck-Temperatur-Zuordnung für runde Flansche aus Stahl fest und bildet damit die Grundlage dafür, dass Flansch, Gegenflansch und Dichtung zueinander passen. Damit Sie die richtige Auswahl treffen, lohnt ein systematischer Blick auf Typen, Dichtleisten, Druckstufen und Werkstoffe.
EN 1092-1 als Maßnorm einordnen
EN 1092-1 ist die zentrale Maßnorm für runde Flansche aus Stahl mit PN-Bezeichnung. Sie definiert Anschlussmaße wie Außendurchmesser, Lochkreis, Schraubenlochzahl und -durchmesser sowie die Ausführung der Dichtfläche. Die PN-Bezeichnung sorgt dafür, dass Flansche gleicher Nennweite und gleicher Druckstufe lochbildkompatibel sind. Davon zu trennen sind Flansche nach amerikanischen Standards (Class-Bezeichnung), die andere Lochbilder besitzen und nicht ohne Weiteres mit PN-Flanschen kombiniert werden können.
Bauformen und Typen
Je nach Anschlussart, Beanspruchung und Werkstoff der Rohrleitung kommen unterschiedliche Bauformen zum Einsatz. Die gebräuchlichsten sind:
- Vorschweißflansch: mit Schweißhals und Anschweißende, für hohe Beanspruchung und wechselnde Drücke gut geeignet.
- Blindflansch: zum dichten Verschluss von Leitungsenden oder Abzweigen.
- Losflansch mit Bördel oder Vorschweißbund: der lose Flanschring dreht frei, der Bund nimmt die Dichtkraft auf & erleichtert die Ausrichtung der Schraubenlöcher.
- Gewindeflansch: ohne Schweißnaht, für Anwendungen, in denen nicht geschweißt werden soll oder kann.
- Plattenflansch (Aufschweißflansch): wird über das Rohrende geschoben und verschweißt, eine wirtschaftliche Lösung im niedrigeren Druckbereich.
Dichtflächen und Dichtleisten
Die Form der Dichtleiste muss zur eingesetzten Dichtung und zum Medium passen. EN 1092-1 kennt mehrere etablierte Ausführungen:
- Glatte Dichtleiste (Form B1/B2): der Standard für Flachdichtungen, B2 mit feinerer Bearbeitung etwa für Weichstoffdichtungen.
- Nut und Feder: formschlüssige Führung der Dichtung, gut bei höheren Drücken und kritischen Medien.
- Vor- und Rücksprung: ähnliche Logik mit definierter Einfassung der Dichtung.
Wichtig ist, dass beide Flansche einer Verbindung formseitig zusammenpassen: Nut gehört zu Feder, Vorsprung zu Rücksprung. Zwei glatte Dichtleisten werden hingegen mit einer passenden Flachdichtung kombiniert.
Druckstufen und Druck-Temperatur-Zuordnung
Die Druckstufe wird als PN-Nenndruck angegeben, gängig sind PN6, PN10, PN16, PN25, PN40 und höher. PN ist ein Bezugswert zur Kennzeichnung und Bauteilauswahl, nicht der zulässige Betriebsdruck im konkreten Fall. Der tatsächlich zulässige Druck ergibt sich aus der Druck-Temperatur-Zuordnung und hängt vom Werkstoff und von der Betriebstemperatur ab: Mit steigender Temperatur sinkt der zulässige Druck deutlich. Für die Auslegung ist daher immer die Kombination aus PN-Stufe, Werkstoff und Temperatur maßgebend, nicht die PN-Zahl allein.
Werkstoffwahl passend zur Leitung
Der Flanschwerkstoff sollte zur Rohrleitung und zu den Betriebsbedingungen passen. Im Wasser- und allgemeinen Anlagenbau überwiegen unlegierte Baustähle. Für höhere Temperaturen kommen warmfeste Stähle zum Einsatz, deren Festigkeit im Warmbereich erhalten bleibt. Bei korrosiver Beanspruchung oder hohen Reinheitsanforderungen werden nichtrostende Stähle (Edelstahl) gewählt. Achten Sie darauf, dass Flansch und Rohr metallurgisch und schweißtechnisch zusammenpassen, damit die Verbindung dauerhaft dicht und tragfähig bleibt.
Kurz gesagt: EN 1092-1 ordnet runde Stahlflansche über Maße, PN-Stufen und Dichtflächen. Entscheidend für eine dichte, tragfähige Verbindung ist, dass Flanschtyp, Druckstufe, Dichtleistenform und Werkstoff zur Rohrleitung und zum Gegenflansch passen, und dass der zulässige Druck stets über die Druck-Temperatur-Zuordnung des gewählten Werkstoffs ermittelt wird.
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