Stahl-Glossar
Fachbegriffe aus Stahlhandel, Werkstoffkunde und Anlagenbau – kurz und verständlich erklärt. Von der Werkstoffnummer bis zum PREN-Wert.
Werkstoffe & Güten
Werkstoffnummer
Fünfstellige Kennzahl nach EN 10027-2 zur eindeutigen Identifikation eines Werkstoffs. Beispiele: 1.0038 für S235JR, 1.0577 für S355J2, 1.4301 für nichtrostenden Chrom-Nickel-Stahl. Die erste Ziffer bezeichnet die Werkstoffhauptgruppe (1 = Stahl).
Baustahl (S235, S355)
Unlegierter Baustahl nach EN 10025-2. Das „S" steht für Structural Steel, die Zahl für die Mindeststreckgrenze in MPa. S355 erlaubt bei gleicher Last schlankere Querschnitte, S235 ist im Einkauf günstiger und bei gering belasteten Teilen ausreichend.
S235JR (1.0038) · S355J2 (1.0577) · EN 10025-2Warmfester Stahl
Stahl für den Einsatz bei erhöhten Temperaturen, etwa in Dampf- und Heißdampfleitungen. Chrom-Molybdän-legierte Güten wie 16Mo3, 13CrMo4-5 und 10CrMo9-10 behalten unter Hitze und Innendruck ihre Festigkeit und Zeitstandfestigkeit.
16Mo3 (1.5415) · 13CrMo4-5 (1.7335) · 10CrMo9-10 (1.7380)Nichtrostender Stahl (Edelstahl)
Legierter Stahl mit mindestens 10,5 % Chrom, das eine schützende Passivschicht bildet. Austenitische Güten wie 1.4301 (V2A) und 1.4571/1.4404 (V4A, molybdänlegiert) sind gut umformbar und schweißbar. 1.4571 ist zusätzlich titanstabilisiert.
1.4301 · 1.4404 · 1.4571 · EN 10088Duplex- und Superduplexstahl
Nichtrostender Stahl mit rund je zur Hälfte ferritischem und austenitischem Gefüge. Duplex 1.4462 und Superduplex 1.4410 vereinen hohe Festigkeit mit sehr guter Beständigkeit gegen Lochfraß und Spannungsrisskorrosion – typisch für Petrochemie und Offshore.
1.4462 Duplex · 1.4410 SuperduplexNickelbasislegierung
Legierung mit Nickel als Hauptbestandteil, äußerst korrosions- und hochtemperaturbeständig. Alloy 625, 825 und C276 werden in Chemie, Rauchgasreinigung und aggressiven Medien eingesetzt, wo Edelstahl an seine Grenzen kommt.
Alloy 400 · 625 · 825 · C276Kennwerte & Prüfung
Streckgrenze
Spannung in MPa (N/mm²), bis zu der sich ein Werkstoff elastisch verformt und danach bleibend gedehnt bleibt. Die Zahl im Kurznamen (S235, S355) gibt die Mindeststreckgrenze für die kleinste Erzeugnisdicke an; mit steigender Dicke fällt der garantierte Wert gestuft ab.
Zugfestigkeit
Maximale Spannung, die ein Werkstoff im Zugversuch bis zum Bruch erträgt. Zusammen mit der Streckgrenze beschreibt sie das Festigkeitsverhalten und ist Grundlage jeder statischen Auslegung.
Kerbschlagzähigkeit
Widerstand gegen Sprödbruch, geprüft im Charpy-Kerbschlagbiegeversuch. Die Zusätze am Kurznamen stehen für die Prüftemperatur: JR = +20 °C, J0 = 0 °C, J2 = -20 °C. Je tiefer die Einsatztemperatur, desto höher sollte die geforderte Zähigkeit sein.
JR · J0 · J2 · K2PREN-Wert
Pitting Resistance Equivalent Number – ein Kennwert für die Lochfraßbeständigkeit nichtrostender Stähle. Berechnet aus Chrom-, Molybdän- und Stickstoffgehalt (PREN = %Cr + 3,3 × %Mo + 16 × %N). Je höher der Wert, desto besser die Beständigkeit in chloridhaltigen Medien.
Rohre & Flansche
DN — Nennweite
Diamètre Nominal, eine dimensionslose Kennzahl für den ungefähren Innendurchmesser einer Rohrleitung oder Armatur (z. B. DN 100). Sie dient der Abstimmung zusammengehöriger Bauteile und entspricht nicht exakt dem Millimeter-Maß.
PN — Druckstufe
Pression Nominale, eine dimensionslose Kennzahl für den zulässigen Nenndruck eines Bauteils bei Referenztemperatur (z. B. PN 16 = 16 bar). Mit steigender Temperatur sinkt der zulässige Betriebsdruck.
Schedule (Sch.)
Nach ASME B36.10 (Stahl) bzw. B36.19 (Edelstahl) genormte Kennzahl für die Rohrwanddicke, etwa Sch. 40 oder Sch. 80. Eine höhere Schedule-Zahl bedeutet eine größere Wanddicke bei gleichem Außendurchmesser.
Flansch nach EN 1092-1
Genormtes Verbindungselement für Rohrleitungen. Bauformen sind unter anderem Vorschweißflansch, Blindflansch und Losflansch; die Dichtleiste (z. B. Form B1) und die Druckstufe (PN) müssen zwischen den verbundenen Teilen übereinstimmen.
Normen & Nachweise
Werkszeugnis 3.1
Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 mit den spezifischen Prüfergebnissen der gelieferten Charge, bestätigt durch eine vom Herstellungsbereich unabhängige Prüfstelle. Standardnachweis für sicherheitsrelevante Anwendungen. Steel Line liefert es auf Anfrage zu jeder Charge.
Prüfbescheinigung 2.2
Werkszeugnis 2.2 nach EN 10204: Der Hersteller bestätigt die Übereinstimmung mit der Bestellung und gibt Prüfergebnisse auf Basis nichtspezifischer Prüfung an. Ausreichend für weniger kritische Anwendungen, ohne chargenspezifische Rückverfolgbarkeit.
EN 10025 / EN 10028 / EN 10088
Europäische Werkstoffnormen: EN 10025 für warmgewalzte Baustähle, EN 10028 für Druckbehälter- und Kesselstähle, EN 10088 für nichtrostende Stähle. Sie legen chemische Zusammensetzung, mechanische Eigenschaften und Prüfumfang fest.
Rückverfolgbarkeit
Lückenlose Zuordnung eines gelieferten Werkstoffs zu Charge, Schmelze und Prüfzeugnis. Voraussetzung für Qualitätssicherung und Dokumentation im Anlagen-, Kraftwerks- und Apparatebau.
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